Was vor 25 Jahren mit einer engagierten Idee begann, ist heute aus dem sozialen Leben der Thomasstadt nicht mehr wegzudenken. Die Kempener Tafel feiert am 5. September ihr 25-jähriges Bestehen und blickt auf ein Vierteljahrhundert gelebter Solidarität zurück. Gleichzeitig ist das Jubiläum Anlass, all den Menschen zu danken, die die Arbeit der Tafel seit vielen Jahren mit Zeit, Herzblut und Spenden unterstützen.

Unter dem Dach des Vereins Martinus-Hilfe e. V. hat es sich die Kempener Tafel zur Aufgabe gemacht, Menschen in schwierigen Lebenssituationen mit Lebensmitteln, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit zu helfen. Gegründet wurde die Einrichtung unter anderem von Dieter und Christa Sandmann. Was einst in einem Kellerraum am Industriering Ost 72 begann, hat sich zu einer festen Größe im sozialen Leben der Stadt entwickelt.

Heute holen 240 Kundinnen und Kunden regelmäßig Lebensmittel für rund 450 Menschen ab. Unterstützung erhalten insbesondere Grundsicherungsberechtigte, Asylbewerber sowie Rentner mit geringem Einkommen. Die Zahl der Hilfesuchenden ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Inzwischen unterstützt die Tafel Menschen aus 22 Nationen. Moderne Kühlfahrzeuge und Kühlhäuser sorgen dafür, dass die gespendeten Lebensmittel sicher transportiert und gelagert werden können.

Möglich wird dieses Engagement durch rund 65 ehrenamtliche Frauen und Männer, die Woche für Woche Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien und Herstellern aus Kempen und der Region abholen, sortieren und an fünf Tagen in der Woche ausgeben. Viele Betriebe unterstützen die Tafel regelmäßig mit Warenspenden. Über weitere Spender freut sich die Einrichtung jederzeit.

Wer die Hilfe der Tafel in Anspruch nimmt, muss sich nicht schämen. Diskretion und ein respektvoller Umgang mit den Kundinnen und Kunden gehören zu den wichtigsten Grundsätzen. „Jeder von uns kann durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder andere Schicksalsschläge in eine schwierige Lebenssituation geraten“, betont die stellvertretende Vorsitzende Eva Pascher-Bellmann. „Man glaubt gar nicht, wer alles zu uns kommt und plötzlich nicht mehr weiterweiß, so die 63-Jährige.“ Voraussetzung für die Ausgabe der Lebensmittel ist ein entsprechender Nachweis der Bedürftigkeit.

Für den Vorsitzenden Bruno Wrede ist die Arbeit bei der Tafel längst zu einer Herzensangelegenheit geworden. „Ich bin schon immer ein sozial engagierter Mensch“, sagt er. Bevor er zur Tafel kam, war er viele Jahre beim Technischen Hilfswerk in Krefeld aktiv. Heute investiert er rund 20 Stunden pro Woche in das Ehrenamt. „Der schönste Moment ist, wenn unsere Kundinnen und Kunden unsere Ausgabestelle mit einem Lächeln verlassen“, beschreibt der 76-Jährige seine Motivation. Besonders gefragt seien frische Lebensmittel sowie haltbare Produkte wie Reis, Nudeln, Mehl oder Mais. (tob)

Infokasten

Das 25-jährige Jubiläum wird am Samstag, 5. September, gefeiert. Nach einer Feierstunde für geladene Gäste öffnet die Tafel an der Straße Am Selder 7 von 12 bis 17 Uhr ihre Türen für alle Interessierten. Auf die Besucher warten Kinderschminken, eine Hüpfburg sowie Kaffee, Kuchen, Getränke und Grillwürstchen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, die Arbeit der Tafel kennenzulernen und mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch zu kommen. (tob)

BU1: Ehrenamtler der Tafel bei der Warenausgabe, v.l.: Frank Küsters, Gabi Schmitz, stellv. Vorsitzende Eva Pascher-Bellmann, Vorsitzender Bruno Wrede, Beate Hitzmann, Wolfgang Körfer, Hermine Knura und Marion Hensch. Fotos: Tobias Stümges