Ein Ort der Ruhe, des Glaubens und der Erinnerung hat sein Gesicht zurückerhalten. Mit einem feierlichen Festakt am 13. April wurde die Maria-Hilf Kapelle in Ziegelheide nach umfassender Sanierung offiziell wieder ihrer Bestimmung übergeben. 

Die Wurzeln des kleinen Gotteshauses reichen zurück ins Jahr 1873. In den Zeiten des Kulturkampfes schlossen sich rund 30 Katholiken aus Ziegelheide zusammen, um ein sichtbares Zeichen ihres Glaubens zu setzen. Ihr Ziel war eine der Gottesmutter geweihte Kapelle als Zufluchtsort für die Menschen vor Ort. Bereits 1874 konnte dank zahlreicher Spenden ein Grundstück erworben werden. Der Kempener Baumeister Heinrich Franken entwarf die Kapelle im neugotischen Stil, 1875 wurde der Grundstein gelegt, 1876 folgte die Einweihung.

Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich die Bedeutung des Gebäudes. Nach den Weltkriegen wurde die Kapelle auch zur Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde. Bis heute ist sie fest in Schmalbroich verwurzelt und wird vom Heimatverein sowie der Nachbarschaft mit großem Engagement getragen.

Dieses Engagement war auch gefragt, als sich der Sanierungsbedarf immer deutlicher zeigte. Was zunächst als überschaubare Instandsetzung begann, entwickelte sich nach intensiven Untersuchungen zu einer grundlegenden Restaurierung. Vor allem Schäden an der Tragkonstruktion machten umfangreiche Maßnahmen erforderlich.

Im August 2024 starteten die Arbeiten. Der Dachstuhl wurde ertüchtigt, historische Ziegel teilweise wiederverwendet. Im Innenraum entstand die Gewölbedecke nach historischem Vorbild neu. Besonders bemerkenswert sind die entdeckten Malereien aus verschiedenen Epochen, darunter Marmorimitationen, florale Ornamente und feine Sternverzierungen, die in die heutige Gestaltung eingeflossen sind.

Auch technisch ist die Kapelle nun zukunftsfähig aufgestellt. Eine moderne Wärmestation sorgt für ein konstantes Raumklima und schützt die Substanz. Ergänzt wird dies durch dezente Heiz- und Beleuchtungslösungen. Die Marienfigur wurde restauriert und zeigt sich wieder mit ihren ursprünglich blauen Augen. Neue und überarbeitete Fenster lassen heute deutlich mehr Licht in den Innenraum.

Rund 540.000 Euro wurden in die Sanierung investiert, ein erheblicher Teil davon durch Fördermittel von Bund und Land gedeckt. Auch das Außengelände wurde aufgewertet und barrierearm gestaltet.

Mit Blick nach vorn gibt es bereits weitere Pläne. Im Juni soll auf der Wiese vor der Kapelle ein Fest zum 150-jährigen Bestehen der Kapelle gefeiert werden. Zudem wird geprüft, die Kapelle künftig auch für Trauungen zu öffnen. (tob)

BU: Bei der feierlichen Eröffnung, v.l.: Christiana Dahmen, Hochbauamt, Gudrun Holzmann, Untere Denkmalbehörde, Thomas Krämer, Referent Bundeslandwirtschaftsministerium, Torsten Schröder, Erster Beigeordneter, Achim Evertz, Vorsitzender Heimatverein Schmalbroich, Bürgermeister Christoph Dellmans, Thomas Schürmann, Regierungspräsident, Landrat Bennet Gielen, Probst Dr. Thomas Eicker und Jochem Dahmen, Vorstand Sparkasse Krefeld. Foto: Tobias Stümges

BU: Die Außenansicht der Kapelle am Kapellenweg in Schmalbroich. Foto: Tobias Stümges