Achim Viefers erinnert sich 50 Jahre später an seinen Auftritt für Jux und Klamau. Wenn Achim Viefers heute über seine kurze, aber prägende Zeit als erster Kinderprinz von Jux und Klamau spricht, dann tut er das mit einer Mischung aus Gelassenheit, Humor und einer gewissen Verwunderung darüber, wie man als eher zurückhaltender 16-Jähriger plötzlich vor einem vollen Saal steht und Karneval repräsentiert, obwohl man eigentlich lieber auf dem Sportplatz steht und später sogar in der Oberliga Fußball spielt. 

Der heute 65-jährige Zahntechnikermeister mit eigenem Labor sagt heute über sich: „Eine Rampensau bin ich nicht. War ich nie.“ Und doch war es 1976 ein kleiner historischer Moment: Jux und Klamau stellte erstmals ein Kinderprinzenpaar vor, er als Prinz und an seiner Seite Prinzessin Britta Benz, Tochter des damaligen Vereinsvorsitzenden Heinz Benz. Dass Viefers in diese Rolle kam, lag vor allem am dichten Geflecht aus Bekanntschaften und Nachbarschaften in Hüls. Seine Eltern betrieben die Metzgerei am Hülser Markt, viele Vereinsaktive waren Kunden oder Bekannte. Irgendwann hieß es schlicht: Achim macht das jetzt. Die Nervosität war entsprechend groß. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm der Moment vor seiner Proklamierung unter der Bühne im alten Saal Herden, in dem man ihm zur Beruhigung einen kleinen Magenwärmer reichte, „Maria Kron oder irgendwie sowas“. Sein erster Weinbrand und das vor einem Auftritt vor brechend vollem Saal. 

Mit ihm im Gefolge: Roland Küsters als Page, später selbst Kinderprinz, dazu Helga Benz und Nina Kinzinger. Standartenträger gab es vermutlich noch keine. Es war ein Versuchsballon, der funktionierte, denn heute gehört der Kinderkarneval fest zu Hüls. Während andere nach dem Prinzentum im Vereinsleben blieben, ging Viefers einen anderen Weg. Die Ausbildung im Zahntechnikerhandwerk war intensiv, der Sport zeitaufwendig, schließlich spielte er sogar Fußball in der Oberliga in Viersen. Vereinsleben vertrug sich damit schlecht: „Da bleibt wenig Zeit für anderes.“ 

Geblieben ist jedoch ein Blick hinter die Kulissen, der Respekt erzeugt: „Toll zu sehen, wie viele Leute im Hintergrund arbeiten, damit sowas überhaupt möglich ist.“ Heute betreibt der Ehemann und Vater von zwei erwachsenen Kindern sein Labor seit über 20 Jahren in Krefeld, treibt Fitness im Studio unter Anleitung, fährt Ski und im Sommer Rennrad. Der Satz, der damals wie heute passt: „Auf dem Sportplatz war mir egal, wie viele zugucken. Auf der Bühne war das eine völlig fremde Welt.“ Vielleicht macht genau das diese Geschichte nach 50 Jahren so charmant: Der erste Kinderprinz war keiner, der die Bühne suchte. Er hat sie bekommen und ausgefüllt. (tob)

BU: Achim Viefers war vor 50 Jahre der erste Prinz von Jux und Klamau. Foto: Tobias Stümges