Der Karneval im Rheinland ist wieder los gegangen und weil ich da ja gerne aktiv bin, merke ich jetzt mal wieder, was mir im Leben eine der wichtigsten Sachen ist – das Vereinsleben. Und es muss ja gar nicht ein Karnevalsverein sein, eigentlich geht es mir um Vereine an sich. Gleich ob Sport-, Schützen-, Bürger-, Heimat- oder Kleingartenverein, Verein für Fahrradfahrer, Verein für Angelsport, Verein zur Überwachung unsolider Ehemänner oder Verein für Vereinsmeierei, stets schafft es ein Verein immer wieder, Gleichgesinnte und Gleichbekloppte zusammenzuführen und das Leben seiner Mitglieder, oft aber auch das von anderen zu gestalten und zu bereichern. 

Und gerade am schönen Niederrhein geht dann stets eines ganz von alleine mit einher – et zeigen sich in den Vereinen die verschiedensten, aber auch tollsten Charaktere und Typen. Da gibt es den schrulligen Kassenwart, der es im richtigen Leben kaum schafft, beim Bäcker Brötchen ohne Bargeld zu holen, im Verein aber wie ein Terrier über jeden nichtgezahlten Mitgliedsbeitrag wacht. Oder die designierte Tanztrainerin, die im Verein mit einer Engelsgeduld versucht, aus meist männlichen Bewegungslegasthenikern das körperliche Maximum für einen Auftritt bei der nächsten Sitzung oder beim nächsten Sommerfest herauszuholen. 

Natürlich gibt es entsprechend auch diejenigen meist männlichen Vereinsmitglieder, die eigentlich 250 Tage im Jahr mit Rhythmik nichts am Hut haben, dann aber bei den Proben und Auftritten mit der oben genannten Tanzgruppe einen solchen Ehrgeiz entwickeln, dass sie die körperlichen Grenzen komplett neu ausloten. Es gibt die guten Seelen in Vereinen, die noch nie ein offizielles Amt in diesen innehatten, aber durch die vielen versteckten Kleinigkeiten, die sie so erledigen, eigentlich unverzichtbarer für ihre Vereine sind als der gesamte Vorstand zusammen. Sie sind es dann auch, die in Tränen ausbrechen, wenn der übergeordnete Dachverband dann irgendwann um die Ecke schneit und ihnen für „außerordentliche Verdienste“ den „Verdienstorden am Bande in Gold mit Brillianten“ verleiht – und das zurecht. 

Nicht zu vergessen sind auch die Altersoriginale, die schon so lange im Verein sind, dass sie Jahr für Jahr auf den wiederkehrenden internen Vereinsevents, die Aktionen wiederholen müssen, die sie vor Jahren mal in irgendeiner Bierlaune spontan gestartet haben, seitdem aber zum Kult geworden sind. Natürlich wird dann vorher immer hinter vorgehaltener Hand getuschelt: „Pass auf, dieses Jahr macht der dat bestimmt schon wieder! Eigentlich kann ich et ja nicht mehr sehen!“ Und trotzdem wird das dann Jahr für Jahr von allen Beteiligten so gefeiert als wäre es das erste Mal und hinterher sagt die Altersikone dann stets: „Leute, dat war aber jetzt wirklich et letzte Mal, die alten Knochen machen dat nicht mehr mit!“ Wer’s glaubt wird selig – im nächsten Jahr wird man dann doch wieder überredet und macht es einfach noch einmal, natürlich aber erst, wenn man sich auch wirklich von jedem der anderen ausgiebig dazu überreden ließ.

Und ganz gewiss wird in Vereinen nicht nur fröhliches Beisammensein zelebriert, in vielen Vereinen wird ganz bestimmt auch gestritten, manchmal sogar so, dass die Befindlichkeiten der Involvierten empfindlich gestört werden, aber auch das trägt doch zum Wert des Vereines in der Gesellschaft bei. Wo kann man denn eine angemessene Streitkultur besser erlernen und entwickeln als in einer Gemeinschaft mit Menschen, die eigentlich die gleichen Ziele haben? Letzten Endes entwickeln sich doch auch dabei die Eigenschaften einer Person, die sie dann zu einem der oben genannten tollen Charaktere machen. Das schafft keine Schule und meist auch nicht die Berufswelt.

Ich kann aus voller Überzeugung sagen, dass gerade das Miteinander mit so vielen verschiedenen Menschen in den Vereinen, in denen ich bisher mein Leben verbracht habe, mich zu dem gemacht haben, der ich bin. Sie haben mich wachsen lassen, reifen lassen, ich habe dort Rat, Kritik, Freude und Trost erfahren und verdanke Ihnen schlussendlich die wertvollsten Erinnerungen und Erlebnisse meines Lebens. Ein Hoch auf Vereine!

In diesem Sinne, macht et euch nett und besonders wenn ihr jüngeren Jahrgangs seid, geht in einen Verein, egal wat für einer. Die Gründe dafür könnt ihr oben nachlesen, ihr werdet es nicht bereuen.

Euer Breetlooksman

Stefan Erlenwein