Fast 190 Kilometer zu Fuß, unzählige Eindrücke und eine beeindruckende Spendensumme: Für Marina Pandur-Heinecke (53) aus Vorst und Alexandra Hechler (51) aus St. Hubert war die erste gemeinsame Pilgerreise weit mehr als nur eine sportliche Herausforderung. Vom 4. bis 12. Juli machten sich die beiden Frauen auf den berühmten Jakobsweg von Porto nach Santiago de Compostela. Am 3. Juli reisten sie an, am 14. Juli ging es wieder zurück nach Deutschland.

Insgesamt legten sie 189,6 Etappenkilometer zurück. Die Idee zu der Reise entstand bereits im vergangenen Frühjahr. „Alexandra erzählte mir bei einem gemeinsamen Ausflug, dass sie den Jakobsweg 2026 gerne gehen würde. Ich habe spontan gefragt, ob ich mitkommen darf“, berichtet Marina Pandur-Heinecke. Schnell war klar: Dieses Abenteuer würden sie gemeinsam wagen. Rund ein Jahr lang bereiteten sich die beiden darauf vor. Im Frühjahr standen an den Wochenenden regelmäßig Tagesmärsche auf dem Programm, zunächst ohne, später mit vollgepackten Rucksäcken.

Aus der Pilgerreise entstand schließlich noch eine besondere Idee als Spendenlauf. Über einen eigens eingerichteten PayPal-Pool sowie einen eigens gegründeten Instagram-Account unter dem Namen „al.ma_jakobsweg“ dokumentierten die beiden ihre Reise täglich. Ergänzt wurden die Berichte über WhatsApp und Facebook. Die Resonanz war überwältigend: Aktuell sind bereits rund 4.000 Euro an Spenden zusammengekommen. Wer wollte, konnte entweder über den PayPal-Pool oder direkt an die beiden unterstützten Einrichtungen „Kinderhospiz Stups und Oppumer Verein für notleidende Pferde“ spenden.

Unvergesslich bleiben für beide die vielen Begegnungen unterwegs, die abwechslungsreichen Landschaften entlang der Küste und zahlreiche emotionale Momente. Besonders tief bewegte sie ein Pianospieler auf der letzten Etappe, dessen Musik beide zu Tränen rührte. Noch eindrucksvoller war für sie jedoch das Gefühl, das gemeinsame Ziel tatsächlich erreicht zu haben. „Jeder Schritt, jede Blase, jeder Anstieg, jeder Zweifel und jeder Glücksmoment haben uns bis nach Santiago getragen“, beschreibt Marina Pandur-Heinecke die Reise.

Dabei verlief die Tour alles andere als problemlos. Alexandra Hechler kämpfte bereits vom ersten Tag an mit schmerzhaften Blasen an den Füßen. Bis zum fünften Tag kamen täglich ein bis zwei neue hinzu. Besonders der vierte Tag brachte beide an ihre Grenzen. Erschöpft überlegten sie sogar, die Route für den nächsten Tag zu ändern. Doch nach einer Nacht Schlaf entschieden sie sich, zunächst einfach weiterzugehen. Eine Entscheidung, die sie nicht bereuten. Der Körper erholte sich besser als erwartet und mit jedem weiteren Schritt wuchs auch die Zuversicht.

Das Foto, das den beiden besonders am Herzen liegt, entstand schließlich auf dem Vorplatz der Kathedrale von Santiago de Compostela. Genau dort endet für die meisten Pilger die lange Reise, bevor sie ihre begehrte „Compostela“ und den letzten Pilgerstempel erhalten. Ein Moment voller Erleichterung, Stolz und Dankbarkeit, der den Abschluss einer außergewöhnlichen Reise bildet. (tob)

BU: Alexandra Hechler und Marina Pandur-Heinecke auf dem Vorplatz der Kathedrale von Santiago de Compostela. Foto: privat