Wenn am 23. Dezember im „Kemp Inn“, dem ehemaligen Kolpinghaus, um 20 Uhr das große Weihnachtsmitsingkonzert stattfindet, kehrt ein außergewöhnlicher Musiker in seine Heimat zurück: Konstantin Reinfeld, heute einer der international gefragtesten Mundharmonika-Künstler seiner Generation. Mit 29 Jahren blickt er auf eine bemerkenswerte Laufbahn, die in Kempen begann und ihn bis auf die Bühnen der EXPO in Dubai und Osaka führte. Seine musikalische Reise startete früh: Als Kind lernte er Klavier und Klarinette. Doch 2008 sah er in einer TV-Sendung eine Mundharmonika – und war sofort fasziniert. Sein erstes Instrument und ein Lehrbuch kaufte er kurz darauf im Kempener Musikladen. Ein unscheinbarer Moment, der sich als Ausgangspunkt seiner Karriere entpuppte. Bereits 2010 wurde er Hohner-Endorser, 2013 veröffentlichte er noch während seiner Schulzeit sein erstes Album.
Nach dem Abitur folgten Studienjahre an renommierten Musikhochschulen: In Köln widmete er sich Jazz/Pop, in Hamburg Jazz und Musikproduktion. 2019 erhielt er den OPUS Klassik, für Reinfeld bis heute der prägendste Moment seiner Laufbahn. Der Preis verschaffte seiner künstlerischen Arbeit große Anerkennung und gab der Mundharmonika im klassischen Bereich neue Sichtbarkeit. Er öffnete Türen zu Orchestern, Festivals und internationalen Kooperationen. Parallel dazu arbeitete Reinfeld mit Künstlern wie Saad Lamjarred, Parov Stelar, Gaz Mawete, Rashmeet Kaur und Masterkraft. Er trat 2020 auf der EXPO in Dubai auf und war in diesem Jahr in Osaka dabei. 2024 veröffentlichte er außerdem das Lehrbuch „Do-It-Yourself Harmonica“ beim US-Verlag Hal Leonard.
Trotz seiner internationalen Tätigkeit bleibt Kempen für ihn ein wichtiger Ankerpunkt. „Kempener zu sein bedeutet für mich Heimatgefühl“, sagt Reinfeld. Hier liegen seine Wurzeln, hier leben langjährige Wegbegleiter, und hier findet er immer wieder die besondere Ruhe und Offenheit der Stadt. Bei NRW-Konzerten ist Kempen für ihn daher regelmäßig erste Anlaufstelle. Heute arbeitet Reinfeld als Produzent, Komponist und Dozent – eine Kombination, die ihm erlaubt, all seine Einflüsse zu verbinden. Besonders die Musikproduktion liegt ihm am Herzen, da sie weltweite Zusammenarbeit möglich macht. Sein kreativer Prozess beginnt mal mit einer rhythmischen Idee, mal mit einem Sprachmemo, einer Akkordfolge oder einem bestimmten Sound; oft bildet eine harmonische Grundlage den Ausgangspunkt. Mit seiner Arbeit möchte er Mut machen, eigene Wege zu gehen und mit Leidenschaft und Ausdauer Grenzen zu überwinden. Dass er in diesem Sommer vor 320.000 Menschen auftrat, war ein beeindruckendes Erlebnis – doch seine Ziele definiert er anders: Er möchte die Mundharmonika als Soloinstrument in großen Konzertsälen etablieren und internationale Künstler miteinander verbinden. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass im Zeitalter von KI echte, körperliche Musikalität wichtiger denn je bleibt – zumal der Klang der Mundharmonika digital bis heute nicht authentisch reproduziert werden kann.
Beim Weihnachtsmitsingkonzert erwartet das Publikum genau das, was Reinfeld auszeichnet: Musik, zu der er eine tiefe emotionale Verbindung hat. Live spielt er Jazz, Klassik, Weltmusik, Filmmusik – und immer mit viel Improvisation. Es wird ein Abend mit Wärme, Klang und Heimatgefühl. Ein weltweit gefragter Wahl-Hamburger kehrt zurück an den Ort, an dem alles begann: nach Kempen. (tob)
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