Was 2019 mit einigen Totenköpfen und Projektoren begann, hat sich längst zu einem kleinen Halloween-Spektakel entwickelt: Timo (42) und Natalie Krafczyk (43) verwandeln gemeinsam mit ihren Söhnen Henry (11) und Noah (8) ihr Haus im Gebiet Kreuzkapelle Jahr für Jahr in eine schaurig-schöne Kulisse. Und längst macht nicht mehr nur Familie Krafczyk mit. Immer mehr Nachbarn sind in den vergangenen Jahren auf den Halloween-Zug aufgesprungen.
„Ich dekoriere einfach gerne“, sagt Timo Krafczyk und muss lachen. Weihnachten allein ist ihm dafür fast schon zu wenig. Also kam 2019 die Idee auf, auch das Haus zu Halloween entsprechend herzurichten. Ein paar Totenköpfe, Projektoren und kleinere Dekorationen machten den Anfang. Über Kleinanzeigen kam irgendwann ein nachgebauter Sarg hinzu. „Den wollte ich aber auf keinen Fall im Keller stehen haben. Deshalb habe ich inzwischen an meinem Firmenstandort an der Heinrich-Horten-Straße ein kleines Halloween-Warenlager“, erzählt der 42-Jährige augenzwinkernd.
Nach einer Corona-Pause 2020 ging es weiter und seitdem wurde Jahr für Jahr „eine Schippe draufgelegt“. Grabsteine, Skelette, Hexen, Heuballen, LED-Strahler, Nebelmaschinen und bewegliche Figuren gehören mittlerweile zum umfangreichen Fundus. Dabei sieht die Dekoration keineswegs jedes Jahr gleich aus. Immer wieder entstehen neue Szenen und Ideen.
Für dieses Jahr ist unter anderem ein großer Torbogen für die Einfahrt geplant. Vieles wird selbst gebaut. Die Planungen beginnen bereits nach den Sommerferien, der eigentliche Aufbau rund eine Woche vor Halloween. Dann ist Timo nach Feierabend täglich schon einmal zwei bis drei Stunden beschäftigt. Auch Henry und Noah helfen beim Basteln, Sägen und Malen mit. So wird bereits die Vorbereitung zum Familienprojekt.
Längst hat die Begeisterung auch die Nachbarschaft angesteckt. „Am Anfang war das hier noch sehr verhalten, aber irgendwann haben immer mehr mitgemacht.“ Heute werden zahlreiche Vorgärten und Häuser im Gebiet dekoriert. Mal sitzt ein Skelett auf einem Motorrad, mal wird ein Auto in die Halloween-Kulisse einbezogen. Aus der Idee einer Familie ist über die Jahre ein kleines Nachbarschaftsevent geworden.
Und das hat sich über das Wohngebiet hinaus herumgesprochen. Geschätzt 400 bis 500 Kinder könnten es im vergangenen Jahr ab Einbruch der Dunkelheit über den Abend verteilt gewesen sein. Was mit einem kleinen Korb voller Süßigkeiten begann, bedeutet inzwischen einen Einkauf von 150 bis 200 Euro. Am Ende ist meist trotzdem alles weg.
Dass Halloween nicht bei jedem auf Begeisterung stößt, weiß die Familie. Wer nicht mitmachen möchte, lässt sein Haus einfach dunkel. „Das ist auch völlig in Ordnung. Jeder soll das für sich entscheiden.“ Beschwerden habe es bislang nicht gegeben. Im Gegenteil, bleibt die Dekoration einmal aus, werde schnell nachgefragt. Während der Corona-Pause hätten Nachbarn sogar wissen wollen, ob die Familie ausziehe.
Gemeinsame Aktivitäten spielen bei den Krafczyks ohnehin eine große Rolle. Seit vielen Jahren nimmt die Familie alle drei Jahre mit einer großen Gruppe am Kempener Rosenmontagszug teil. Sportlich sind vor allem Henry und Noah beim SV Thomasstadt aktiv, wo beide Fußball spielen. Timo engagiert sich dort zudem als Trainer der D-Jugend. Auch der Tennissport gehört zum Familienalltag. Alle vier stehen selbst regelmäßig in St. Hubert und Kempen auf dem Platz.
Am Halloween-Abend aber dreht sich alles um Skelette, Geister und Süßigkeiten. Freunde kommen vorbei, es gibt etwas zu essen und zu trinken und vor dem Haus ziehen die Kinder von Tür zu Tür. Gegen 22 Uhr ist Schluss, am 1. November verschwindet der Spuk wieder.
Im kommenden Jahr wartet zudem eine besondere Inspiration. Dann möchte Familie Krafczyk während einer New-York-Reise Halloween erstmals in den USA erleben. Gut möglich also, dass anschließend die eine oder andere neue Idee mit zurück an die Kreuzkapelle kommt. (tob)
BU: Timo, Henry, Noah und Natalie Krafczyk vor ihrem Haus. Foto: Tobias Stümges