Manchmal reicht eine Postkarte, um etwas Großes ins Rollen zu bringen. So war es auch bei der Städtepartnerschaft zwischen Tönisvorst und der belgischen Gemeinde Laakdal. Im Jahr 2003 entdeckte der Vorster Kunibert Schmitz eine Postkarte von „Vorst im Kempener Land“. Allerdings lag dieses Vorst nicht am Niederrhein, sondern bei Antwerpen in Belgien.

Denn ähnlich wie Tönisvorst besteht auch Laakdal aus mehreren Ortsteilen. Zwei davon heißen Klein-Vorst und Groot-Vorst. Die Namensgleichheit wurde zum Startsignal für eine Verbindung, die von Vorster Vereinen mit viel Engagement aufgebaut wurde. Am 14. Oktober 2006 wurde die Städtepartnerschaft schließlich im alten Vorster Rathaus mit der Unterzeichnung eines offiziellen Vertrages besiegelt. Ein Jahr später folgte die Gründung auf belgischer Seite in Laakdal.

Dabei reichen die Kontakte noch viel weiter zurück. Bereits 1978 hatte es erste Begegnungen zwischen beiden Gemeinden gegeben. Vereine wie der Spielverein, die KG Rot-Weiß oder Kegelclubs besuchten sich gegenseitig. Auch die damaligen Bürgermeister Ludo Helsen und Richard Beckers lernten sich in dieser Zeit kennen.

Eine, die die Partnerschaft von Anfang an begleitet, ist Christa Schmitz. Die heute 82-Jährige war seit der Gründung dabei und hat Laakdal inzwischen so häufig besucht, dass sie die Reisen nicht mehr zählen kann. „Ich war mit dem Komitee, mit verschiedenen Vereinen und Institutionen, privat und vor allen Dingen mit unseren Schulen dort“, erzählt sie.

Gerade die Begegnungen zwischen jungen Menschen sind für sie der wichtigste Grund für ihr Engagement. „Hier liegt der Grundstein für den europäischen Gedanken“, sagt Schmitz. Besonders gerne erinnert sich die Vorsterin an die gemeinsamen Besuche mit Schülern im Klompenmuseum sowie an die zahlreichen Feste, die auf beiden Seiten miteinander gefeiert wurden.

Und Laakdal hat einiges zu bieten. Die rund 16.000 Einwohner zählende Gemeinde liegt in der Provinz Antwerpen und ist für Christa Schmitz schon wegen ihrer schönen Umgebung, ihrer Geschichte und der Menschen einen Besuch wert. Sehenswert ist unter anderem die gotische Gertrudiskirche in Vorst aus dem Jahr 1480. Bekannt ist zudem das außergewöhnliche Klompenmuseum, in dem sich alles um die traditionelle Herstellung der Holzschuhe dreht. Rund 6.000 Menschen leben im Laakdaler Vorst und damit nahezu genauso viele wie im Tönisvorster Stadtteil.

Den Vorsitz der Städtepartnerschaft wollte Christa Schmitz ursprünglich nie übernehmen. Viele Aufgaben erledigte sie jedoch bereits zuvor. Nach der Corona-Zeit übernahm sie schließlich die Verantwortung. Auf belgischer Seite steht Paul Mondelars der Partnerschaft vor.

Heute wünscht sich Schmitz wieder mehr Verbindungen zwischen beiden Städten. Denn aktuell werde die Partnerschaft vor allem noch durch die Arbeit des Komitees getragen. Ende des Jahres möchte die 82-Jährige ihr Amt abgeben, ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist bislang jedoch nicht gefunden.

Das macht der ehemaligen Chefsekretärin in der Textilindustrie Sorgen. „Die Zeit der Vereine nimmt immer mehr ab. Wer interessiert sich noch fürs Ehrenamt?“, fragt Schmitz. Vielleicht führt sie ihr Weg Ende des Jahres noch einmal nach Laakdal. Nach mehr als zwei Jahrzehnten intensiver Städtefreundschaft wäre es ein Besuch mit vielen Erinnerungen an Begegnungen, Feste und eine Partnerschaft, die einst mit einer Postkarte ihren Anfang nahm. (tob)

BU: Christa Schmitz begleitet seit 2006 die Partnerschaft mit Laakdal in Belgien. Foto: Tobias Stümges