Gewalt gegen Frauen ist ein Thema, das häufig im Verborgenen bleibt. Mit ihren Geschichten möchten die Kempener Autorin Tina Schlegel und ihre Mitstreiterinnen genau das ändern. Am 26. November laden sie um 19 Uhr erneut zu einer Lesung in den Rokokosaal ein. Rund acht bis zehn Autorinnen werden an diesem Abend ihre Texte präsentieren, darunter voraussichtlich fünf aus Kempen. Der Eintritt ist frei.

Die Idee zu der besonderen Lesereihe entstand bereits im Sommer 2024. Damals beschäftigte sich Tina Schlegel, die als Autorin, Journalistin, Schreibdozentin und Lektorin tätig ist, im Rahmen der Recherchen für ein Romanprojekt intensiv mit dem Thema Gewalt gegen Frauen. Als ihr Schreibkurs im September 2024 nach der Sommerpause wieder zusammenkam, schlug sie vor, sich mit einer eigenen Lesung an den städtischen Aktionen rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen im November zu beteiligen. Die Resonanz war groß. Bereits eine Woche später brachten die Teilnehmerinnen erste Geschichten mit. „Ich konnte nicht ahnen, dass wir so viele Geschichten haben würden. Mehr noch, dass es so viele selbst erlebte Geschichten geben würde“, erinnert sich Schlegel.

Unterstützung erhielt die Kempener Autorinnengruppe von Teilnehmerinnen eines weiteren Schreibkurses, den Tina Schlegel in Moers leitet. Aus der zunächst einmalig geplanten Veranstaltung entwickelte sich ein Projekt, das inzwischen weit über Kempen hinaus Beachtung findet. Im vergangenen Jahr wurde die Lesung mit neuen Texten wiederholt, weitere Auftritte an anderen Orten folgten.

Ein besonderer Meilenstein wurde im März dieses Jahres erreicht. Unter dem Titel „Ausgesprochen – Frauen schreiben über Gewalt an Frauen“ erschien im Geest-Verlag eine Anthologie, die ganz regulär über den Buchhandel erhältlich ist. Herausgeberin ist Tina Schlegel selbst. Insgesamt sieben Autorinnen aus Kempen sind mit ihren Texten in dem Buch vertreten.

Auch in diesem Jahr möchten die Frauen ihre Stimmen erheben und mit neuen Geschichten auf die unterschiedlichen Formen von Gewalt aufmerksam machen. Dabei geht es nicht ausschließlich um körperliche Übergriffe, sondern ebenso um psychische und strukturelle Gewalt. „Das Schweigen ist leider ein elementarer Begleitumstand der Gewalt gegen Frauen, dem wir mit unseren Worten und Texten ein Zeichen entgegenhalten wollen“, betont Tina Schlegel.

Die Lesung findet am Donnerstag, 26. November, um 19 Uhr im Rokokosaal in Kempen statt. Der Eintritt ist frei. Musikalisch begleitet wird die Lesung von Gisela Voß-Amon mit Begleitung sowie André Berten am Akkordeon. Der Eintritt ist frei, Spenden sind jedoch ausdrücklich willkommen und werden wie in den Vorjahren für einen guten Zweck eingesetzt. Im vergangenen Jahr wurden mit den Spenden Hygieneartikel für Frauen angeschafft, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. Welches Projekt in diesem Jahr unterstützt wird, steht noch nicht abschließend fest. (tob)

BU: Mona und Tina Schlegel, Ute Ewert und Martina Weidner lesen mit weiteren Autorinnen am 26. November im Rokokosaal in Kempen. Foto: Tobias Stümges